Organisationsformen der Berufsausübung

Orga­ni­sa­ti­ons­for­men der Berufs­aus­übung

September 1, 2019 Ambulante Versorgung GKV-Institut 0
Apothekenpersonal

Der ärzt­li­che Beruf als freie Beruf wird klas­sisch in einem Ein­zel­un­ter­neh­men aus­ge­übt. Inzwi­schen exis­tie­ren jedoch viel­fäl­ti­ge Koope­ra­ti­ons­mög­lich­kei­ten denen sich die­ser Lern­text wid­met.


Radi­ka­le Reduk­ti­on der Kom­ple­xi­tät

  1. Ein­zel­pra­xis

    Der “Klas­si­ker” — der frei­be­ruf­li­che Arzt in sei­ner Pra­xis.

  2. Appa­ra­te- und Pra­xis­ge­mein­schaaft

    Gemein­sa­me Nut­zung von ins­be­son­de­re kos­ten­in­ten­si­ven Gerä­ten (Appa­ra­te­ge­mein­schaft) oder sogar Per­so­nal (Pra­xis­ge­mein­schaft), bei recht­li­cher Eigen­stän­dig­keit nach außen.

  3. BAG

    Gemein­schafts­pra­xen oder Berufs­aus­übungs­ge­mein­schaf­ten bil­den die engs­te Koope­ra­ti­ons­form. Die betei­lig­ten Ärz­te fun­gie­ren nach außen als EIN Betrieb.

Orga­ni­sa­ti­ons­for­men der ärzt­li­chen Berufs­aus­übung

Die Ein­zel­pra­xis

Struk­tur­merk­ma­le

Die ein­fachs­te Form — im recht­li­chen Sin­ne — und gleich­zei­tig auch die gebräuch­lichs­te ist die Ein­zel­pra­xis. Sie wird an einem Ort betrie­ben (Ver­bot des Vaga­bun­die­rens) und zeich­net sich durch fest zur Pra­xis gehö­ren­des Per­so­nal und Gerä­te aus. Der Ver­trags­arzt erbringt sei­ne ärzt­li­chen Leis­tun­gen dabei an einem Pati­en­ten­stamm.

Die Abrech­nung mit der KV erfolgt bei einer Ein­zel­pra­xis über die pra­xis­ei­ge­ne KV-Num­mer.

Appa­ra­te­ge­mein­schaft

Eine ers­te Koope­ra­ti­on­form zwi­schen den Ärz­ten stellt die sog. Appa­ra­te­ge­mein­schaft dar. Die­se wird oft­mals gelebt, wenn die Aus­las­tung teu­rer medi­zi­ni­scher Gerä­te in einer ein­zel­nen Pra­xis nicht ren­ta­bel ist. Neben den Gerä­ten wer­den in der Regel auch die not­wen­di­gen Räu­me und das spe­zia­li­sier­te Per­so­nal gemein­sam genutzt, so dass oft­mals auch eine gemein­sa­me Ver­wal­tung genutzt wird.

Die Abrech­nung mit der KV erfolgt jedoch über getrenn­te KV-Num­mern und auch die Pati­en­ten­stäm­me sind getrennt.

Pra­xis­ge­mein­schaft

Eine Pra­xis­ge­mein­schaft besteht aus min­des­tens zwei Ärz­ten mit ihren jewei­li­gen selb­stän­di­gen Ein­zel­pra­xen. Wie bei der Appa­ra­te­ge­mein­schaft hat jeder betei­lig­te Ver­trags­arzt hat sei­nen eige­nen Pati­en­ten­stamm und sei­ne eige­ne KV-Num­mer.

Pra­xis­ge­mein­schaf­ten nut­zen gemein­schaft­lich Räu­me und Gerä­te sowie zumeist das Per­so­nal. Sie sind anzei­ge­pflich­tig bei der KV.

Gemein­schafts­pra­xis

Die engs­te Form der Zusam­men­ar­beit wird durch die Grün­dung einer geneh­mi­gungs­pflich­ti­gen Gemein­schafts­pra­xis (auch Berufs­aus­übungs­ge­mein­schaft; BAG) erreicht. Dabei wer­den alle Res­sour­cen zwi­schen mind. 2 betei­lig­ten Ärz­ten gemein­sam genutzt und die BAG tritt auch gegen­über Pati­ent und KV als EIN Ver­trags­part­ner auf. Die freie Arzt­wahl darf hier­durch jedoch nicht ein­ge­schränkt wer­den.

Inzwi­schen ist auch die über­ört­li­che Gemein­schafts­pra­xis oder auch über­ört­li­che Berufs­aus­übungs­ge­mein­schaft (ÜBAG) mög­lich. Dies bedeu­tet, dass die Ärz­te gesell­schafts­recht­lich EIN Betrieb mit mind. 2 Stand­or­ten (Pra­xis­sit­ze) sind. Die­se Koope­ra­ti­ons­form wird oft­mals zur bes­se­ren Posi­tio­nie­rung im Wett­be­werb (Stand­ort­vor­tei­le) gewählt. Auch die Aus­deh­nung des Leis­tungs­spek­trums durch die Zusam­men­ar­beit mit ande­ren Fach­rich­tun­gen kann ein Motiv sein.

Pra­xis­net­ze

Pra­xis­net­ze sind gesell­schafts­recht­lich kei­ne eige­ne Koope­ra­ti­ons­form. Sie stel­len mehr oder weni­ger aus­ge­präg­te Koope­ra­tio­nen zwi­schen bestehen­den Pra­xen dar. Sta­tis­tisch sind Pra­xis­net­ze ein Rand­phä­no­men. Ledig­lich ca. 3% der Ver­trags­ärz­te sind in die­sen orga­ni­siert.

Ein Ziel der Pra­xis­net­ze ist die Opti­mie­rung der Ver­sor­gungs­qua­li­tät und die Ver­bes­se­rung der Kos­ten­ef­fi­zi­enz. Dies soll erreicht wer­den durch:

  • Koor­di­nier­te, durch­gän­gi­ge, effi­zi­en­te und qua­li­täts­ge­si­cher­te Behand­lung (QM)
  • Ein­rich­tung einer Koor­di­na­ti­ons­stel­le
  • sys­te­ma­ti­sche Bereit­stel­lung medi­zi­ni­scher und sons­ti­ger Infor­ma­tio­nen für Pati­en­ten und Schu­lun­gen
  • Häus­li­che ärzt­li­che und pfle­ge­ri­sche Betreu­ung
  • Betreu­ung bei Kran­ken­haus­be­hand­lun­gen
  • Grün­dung von Qua­li­täts­zir­keln
  • enge­re Koope­ra­ti­on mit ande­ren medi­zi­ni­sche Dienst­leis­ter
  • ggf. Betrieb eines gemein­sa­men Per­so­nal­pools


 

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