Krankenhausapotheken

Kran­ken­haus­apo­the­ken

Januar 25, 2019 Apotheken Apothekenrecht GKV-Institut Pharmazeutische Gesetzeskunde 0
Krankenhausversorgung

Die­ser Lern­text befasst sich mit Kran­ken­haus­apo­the­ken und kran­ken­haus­ver­sor­gen­den Apo­the­ken als Son­der­for­men der Apo­the­ken im deut­schen Apo­the­ken­we­sen.


Radi­ka­le Reduk­ti­on der Kom­ple­xi­tät

  1. Sek­tor­über­grei­fen­de Ver­sor­gung

    Kran­ken­haus­ver­sor­gen­de Apo­the­ken neh­men in engen Gren­zen an der ambu­lan­ten Ver­sor­gung teil. Die stren­gen Abga­be­be­stim­mun­gen schüt­zen die öffent­li­chen Apo­the­ken, ermög­li­chen aber eine sek­tor­über­grei­fen­de Ver­sor­gung der Pati­en­ten, wenn sie not­wen­dig ist.

  2. Getrenn­te Waren­la­ger für kran­ken­haus­ver­sor­gen­de Apo­the­ken

    Arz­nei­mit­tel für Kran­ken­häu­ser unter­lie­gen nicht der Preis­bin­dung. Um Wett­be­werbs­ver­zer­run­gen aus­zu­schlie­ßen müs­sen kran­ken­haus­ver­sor­gen­de Apo­the­ken ihre Waren­be­stän­de strikt tren­nen.

  3. Fremd­be­sitz

    Kran­ken­haus­apo­the­ken “gehö­ren” den Trä­gern des Kran­ken­hau­ses. Die­se stel­len einen lei­ten­den Apo­the­ker ein, so dass man von Fremd­be­sitz als Aus­nah­me vom Grund­satz der inha­ber­ge­führ­ten Apo­the­ken spre­chen kann.

Kran­ken­haus­apo­the­ken

Ver­sor­gungs­auf­trag

Die Arz­nei­mit­tel­ver­sor­gung im Kran­ken­haus umfasst nach § 26 Abs. 1 der Apo­the­ken­be­triebs­ord­nung (ApBe­trO) die ord­nungs­ge­mä­ße Ver­sor­gung mit Arz­nei­mit­teln und apo­the­ken­pflich­ti­gen Medi­zin­pro­duk­ten sowie die Infor­ma­ti­on und Bera­tung über die­se. Dabei ist die Arz­nei­mit­tel­ab­ga­be nach § 14 Abs. 7 S. 2 ApoG auf die Abga­be an Pati­en­ten beschränkt, die in dem Kran­ken­haus voll­sta­tio­när, teil­sta­tio­när, vor- oder nach­sta­tio­när, behan­delt, ambu­lant ope­riert oder im Rah­men sta­ti­ons­erset­zen­der Ein­grif­fe ver­sorgt wer­den. Fer­ner ist die Ver­sor­gung im Rah­men der Behand­lung durch Kran­ken­haus­am­bu­lan­zen und ermäch­tig­ter Ärz­te zuläs­sig.

Seit 2017 ist durch die Ein­füh­rung des § 39 Abs. 1a SGB V auch die Abga­be von Arz­nei- und Hilfs­mit­teln zur Ver­bes­se­rung der Schnitt­stel­len­pro­ble­ma­tik zwi­schen den Ver­sor­gungs­sek­to­ren – sta­tio­när und ambu­lant — im Rah­men des Ent­lass­ma­nage­ments zuläs­sig. Damit schreibt der Gesetz­ge­ber die Ein­bin­dung der Kran­ken­haus­apo­the­ken in die ambu­lan­te Ver­sor­gung kon­se­quent fort.

Öffent­li­che Apo­the­ken und Arten­schutz

Die o. g. Limi­tie­run­gen der zuläs­si­gen Abga­be­si­tua­tio­nen für Kran­ken­haus­apo­the­ken dient dem Schutz der öffent­li­chen Apo­the­ken, da im Rah­men der Kran­ken­haus­ver­sor­gung die Arz­nei­mit­tel­preis­ver­ord­nung (AMPreisV) nach § 1 Abs. 3 Nr. 1 und 2 AMPreisV kei­ne Anwen­dung fin­det (vgl. Lern­text zum Apo­the­ken­ho­no­rar). Dies ermög­lich u. a. eine kos­ten­güns­ti­ge­re Ver­sor­gung im Rah­men der Ver­sor­gung nach § 129a SGB V im Ver­gleich zur Ver­sor­gung über die öffent­li­chen Apo­the­ken. Letz­te­re wer­den mit den o. g. Regu­lie­run­gen (Abga­be­be­schrän­kun­gen) somit vor einem unglei­chen Wett­be­werb geschützt.

Für kran­ken­haus­ver­sor­gen­de Apo­the­ken bedeu­tet dies in der Pra­xis die Not­wen­dig­keit eines zwei­ten, strikt zu tren­nen­den Waren­la­gers. Ande­ren­falls bestün­de regel­mä­ßig die Gefahr von wett­be­werbs­recht­li­chen Pro­ble­men.

Beson­de­re Anfor­de­run­gen an Kran­ken­haus­apo­the­ken

An Kran­ken­haus­apo­the­ken wer­den vom Gesetz­ge­ber höhe­re Anfor­de­run­gen gestellt als an öffent­li­che Apo­the­ken. Dies dürf­te nicht zuletzt an der Tat­sa­che lie­gen, dass sie einen Akut­be­darf schwer kran­ker Pati­en­ten schnell befrie­di­gen kön­nen müs­sen. Für die Erfül­lung der höhe­ren Anfor­de­run­gen muss im Rah­men der not­wen­di­gen Ver­sor­gungs­ver­trä­ge eine Gewähr über­nom­men wer­den (vgl. Lern­text “Gewähr­leis­tungs­auf­trag in der Kran­ken­haus­apo­the­ke”).

Dane­ben hält die ApBe­trO wei­te­re Vor­schrif­ten spe­zi­ell für Kran­ken­haus­apo­the­ken bereit. Die wesent­li­chen Beson­der­hei­ten bzw. Abwei­chun­gen zur öffent­li­chen Apo­the­ke sind:

Apo­the­ken­lei­ter

Der Apo­the­ken­lei­ter (auch Chef­apo­the­ker) ist nach § 27 ApBe­trO ein ange­stell­ter Apo­the­ker. Damit han­delt es sich streng genom­men um Fremd­be­sitz, wel­chen es in der inha­ber­ge­führ­ten öffent­li­chen Apo­the­ke nicht geben darf.

Der Chef­apo­the­ker Mit­glied der Arz­nei­mit­tel­kom­mis­si­on des Kran­ken­hau­ses und kann aus­schließ­lich durch einen Apo­the­ker ver­tre­ten wer­den. Damit han­delt es sich um eine Ver­schär­fung gegen­über der Ver­tre­tungs­be­rech­ti­gung in öffent­li­chen Apo­the­ken, bei denen kurz­zei­tig auch bei­spiels­wei­se Vor­ex­ami­nier­te ver­tre­tungs­be­rech­tigt sind (vgl. Lern­text “Apo­the­ken­per­so­nal”).

Personal/Räumlichkeiten

Per­so­nal muss nach § 28 ApBe­trO wie in einer öffent­li­chen Apo­the­ke in aus­rei­chen­der Zahl vor­han­den sein. Wie viel dies ist, ergibt sich aus dem jewei­li­gen indi­vi­du­el­len Bedarf des Kran­ken­hau­ses.

Der Gesetz­ge­ber schreibt für Kran­ken­haus­apo­the­ken min­des­tens eine Offi­zin, zwei Labo­ra­to­ri­en, einen Geschäfts­raum und einem Neben­raum auf einer Grund­flä­che von 200m2 vor. Damit sind die räum­li­chen Anfor­de­run­gen wenig über­ra­schend höher als in öffent­li­chen Apo­the­ken bei denen 110m2 und ein Labor genü­gen.

Der ver­mehr­te Platz­be­darf ergibt sich zudem unmit­tel­bar aus der gesetz­li­chen Vor­schrift einen Zwei­wo­chen­be­darf an Arz­nei­mit­teln und Medi­zin­pro­duk­ten jeder­zeit vor­rä­tig hal­ten zu müs­sen (vgl. § 30 ApBe­trO).

Zusätz­li­che Auf­ga­ben

Sowohl Lei­tern der Kran­ken­haus­apo­the­ken als auch der kran­ken­haus­ver­sor­gen­den Apo­the­ken obliegt die Pflicht Sta­ti­ons­be­ge­hun­gen durch­zu­füh­ren. Die Auf­ga­be kann an ande­re Apo­the­ker — nicht PTA — dele­giert wer­den. Min­des­tens halb­jähr­lich sind dabei die Arz­nei­mit­tel­vor­rä­te auf den Sta­tio­nen zu über­prü­fen und Pro­to­kol­le — ggf. inkl. Män­gel­be­he­bungs­fris­ten — zu erstel­len.

Eine wei­te­re Beson­der­heit der Kran­ken­haus­apo­the­ken ist die stän­di­ge Dienst­be­reit­schaft, die nicht über einen orga­ni­sier­ten Not­dienst auf meh­re­re Schul­tern ver­teilt wird. Der Apo­the­ken­lei­ter hat jeder­zeit eine kurz­fris­ti­ge Arz­nei­mit­te­lie­fe­rung oder — bera­tung zu gewähr­leis­ten.