Der Heil- und Hilfsmittelbegriff

Der Heil- und Hilfs­mit­tel­be­griff

September 4, 2019 GKV-Institut Heil- und Hilfsmittel Pharmazeutische Gesetzeskunde Sozialrecht 0
Heil- und Hilfsmittel in der GKV

Heil- und Hilfs­mit­tel sind wie Medi­zin­pro­duk­te eine äußerst hete­ro­ge­ne Pro­dukt­grup­pe. Zudem exis­tie­ren zwi­schen bei­den Grup­pen unzäh­li­ge Über­schnei­dun­gen. Die­ser Lern­text hilft bei einer ers­ten Annä­he­rung ans The­ma.


Radi­ka­le Reduk­ti­on der Kom­ple­xi­tät

  1. Defi­ni­ti­on Heil­mit­tel

    Heil­mit­tel sind ärzt­lich ver­ord­ne­te Dienst­leis­tun­gen.

  2. Defi­ni­ti­on Hilfs­mit­tel

    Hilfs­mit­tel


Heil- und Hilfs­mit­tel

Heil- und Hilfs­mit­tel haben ihren nor­ma­ti­ven Ursprung im SGB V. Denn nach §§ 32, 33 SGB V haben Ver­si­cher­te Anspruch auf die­se Leis­tun­gen.

Defi­ni­ti­on Heil­mit­tel

Der Gesetz­ge­ber nor­miert zwar den Anspruch auf Heil­mit­tel, nicht aber was dar­un­ter zu ver­ste­hen ist. Die­se Auf­ga­be über­lässt der dem Gemein­sa­men Bun­des­aus­schuss. Eine ers­te Annä­he­rung ermög­licht daher die Defi­ni­ti­on der Heil­mit­tel-Richt­li­nie des GBA:

„Heil­mit­tel sind per­sön­lich zu erbrin­gen­de medi­zi­ni­sche Leis­tun­gen”.

Heil­mit­tel-Richt­li­nie des GBA

Sie umfas­sen dabei im Ein­zel­nen:

  • die Phy­si­ka­li­sche The­ra­pie,
  • die Podo­lo­gi­sche The­ra­pie,
  • die Stimm‑, Sprech- und Sprach­the­ra­pie
  • die Ergo­the­ra­pie.

Das Bun­des­so­zi­al­ge­richt (BSG) defi­niert die Heil­mit­tel als ärzt­lich ver­ord­ne­te Dienst­leis­tun­gen von ent­spre­chend aus­ge­bil­de­ten Per­so­nen. Vor dem Hin­ter­grund, dass Heil­mit­teler­brin­ger kei­ne eige­nen Dia­gno­sen stel­len dür­fen, macht die­se Defi­ni­ti­on die zwin­gen­de ärzt­li­che Ver­ord­nung von Heil­mit­teln deut­lich (Arzt­vor­be­halt).

Defi­ni­ti­on Hilfs­mit­tel

Hilfs­mit­tel sind gemäß § 33 Abs. 1 SGB V Hör­hil­fen, Kör­per­er­satz­stü­cke, ortho­pä­di­sche und ande­re Hilfs­mit­tel, die im Ein­zel­fall erfor­der­lich sind, um den Erfolg der Kran­ken­be­hand­lung zu sichern, einer dro­hen­den Behin­de­rung vor­zu­beu­gen oder eine Behin­de­rung zu ver­mei­den oder zu lin­dern.

Das BSG spricht bei Hilfs­mit­teln all­ge­mei­ner von ärzt­lich ver­ord­ne­ten Sach­leis­tun­gen. Hier ist die Gerichts­bar­keit nicht all­ge­mein genug geblie­ben, denn ent­ge­gen der Heil­mit­tel kön­nen Hilfs­mit­tel ver­ord­net wer­den, müs­sen es aber nicht. Sie unter­lie­gen kei­ner Ver­schrei­bungs­pflicht.

Pfle­ge­hilfs­mit­tel

Gemäß § 40 SGB XI haben Pfle­ge­be­dürf­ti­ge Anspruch auf die Ver­sor­gung mit sog. Pfle­ge­hilfs­mit­teln. Dabei han­delt es sich um eine Unter­grup­pe der Hilfs­mit­tel zur Erleich­te­rung der Pfle­ge, zur Lin­de­rung der Beschwer­den des Pfle­ge­be­dürf­ti­gen bei­tra­gen oder ihm eine selb­stän­di­ge­re Lebens­füh­rung ermög­li­chen.

Abgren­zung zu den Medi­zin­pro­duk­ten

Den Medi­zin­pro­duk­te­be­griff haben wir bereits defi­niert (vgl. “Der Medi­zin­pro­duk­te­be­griff”). Dabei wird eine mög­li­che Über­schnei­dung zwi­schen Medi­zin­pro­duk­ten und Hilfs­mit­teln schnell deut­lich.

In der Pra­xis sind alle ver­ord­nungs­fä­hi­gen und damit auch in der GKV erstat­tungs­fä­hi­gen Hilfs­mit­tel Medi­zin­pro­duk­te. Umge­kehrt sind aller­dings nicht alle Medi­zin­pro­duk­te Hilfs­mit­tel, geschwei­ge denn ver­ord­nungs- und erstat­tungs­fä­hig. Viel­mehr hilft der sog. Hilfs­mit­tel­ka­ta­log der GKV, da dort nur Hilfs­mit­tel gelis­tet wer­den kön­nen.



 

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