Botendienst der Apotheke

Boten­dienst der Apo­the­ke

Juni 4, 2019 Apothekenbetrieb Pharmazeutische Gesetzeskunde 0
Botendienst in der Apotheke

Kaum ein The­ma wird der­zeit so sehr dis­ku­tiert wie der Ver­sand­han­del mit Arz­nei­mit­teln. Auch der Boten­dienst der Apo­the­ke wird in die­sem Zusam­men­hang regel­mä­ßig betrach­tet. Der­zeit sieht es so aus, als sol­le die­ser libe­ra­li­siert wer­den, um die Apo­the­ke vor Ort im Wett­be­werb mit dem Ver­sand kon­kur­renz­fä­hig zu machen.


Radi­ka­le Reduk­ti­on der Kom­ple­xi­tät

  1. Kei­ne Erlaub­nis­pflicht

    Der Boten­dienst im Ein­zel­fall ist im Gegen­satz zum Ver­sand­han­del nicht erlaub­nis­pflich­tig.

  2. Bera­tungs­pflicht

    Auch beim Boten­dienst der Apo­the­ke besteht die unein­ge­schränk­te Bera­tungs­pflicht. Soll­te die Bera­tung nicht zuvor in der Apo­the­ke erfolgt sein, muss die Lie­fe­rung daher durch phar­ma­zeu­ti­sches Per­so­nal erfol­gen.

Recht­li­cher Rah­men des Boten­diens­tes

Im Lern­text “Ver­sand­han­del mit Arz­nei­mit­teln” hat­ten wir einen wei­te­ren Ver­triebs­weg für Arz­nei­mit­tel neben der Abga­be in der Prä­sen­zapo­the­ke ken­nen­ge­lernt.

Die Kern­aus­sa­ge war:

Wer Ver­sand­han­del mit apo­the­ken­pflich­ti­gen Arz­nei­mit­teln betrei­ben will, benö­tigt hier­zu eine Erlaub­nis nach § 11a ApoG (Erlaub­nis­pflicht).

Vom Ver­sand­han­del abzu­gren­zen ist der Boten­dienst durch eine Apo­the­ke im Ein­zel­fall. Die­ser ist nach § 17 Abs. 2 ApBe­trO nicht erlaub­nis­pflich­tig.

Vor­aus­set­zun­gen

Bei dem Boten­dienst der Apo­the­ke han­delt es sich his­to­risch gese­hen, um die Mög­lich­keit eine Lie­fe­rung z. B. auf­grund eines not­wen­di­gen Beschaf­fungs­vor­gangs an den Kun­den vor­zu­neh­men, um ihm einen zwei­ten Weg zur Apo­the­ke zu erspa­ren (ggf. auch den ers­ten Weg bei vor­han­de­nen Ein­schrän­kun­gen des Pati­en­ten).

Damit han­delt es sich bei § 17 Abs. 2 ApBe­trO um einen Aus­nah­me­tat­be­stand, da er eine zuläs­si­ge Abwei­chung vom Grund­satz der Arz­nei­mit­tel­ab­ga­be in der Apo­the­ke nor­miert. Wie bereits oft­mals erwähnt sind Aus­nah­me­tat­be­stän­de daher eng aus­zu­le­gen.

Der Ein­zel­fall

Ohne Erlaub­nis zuläs­sig ist die Arz­nei­mit­tel­ab­ga­be per Bote im Ein­zel­fall. Dabei han­delt es sich natur­ge­mäß um einen unbe­stimm­ten Rechts­be­griff.

Im Streit­fall dürf­te es weni­ger um die abso­lu­te Zahl der Lie­fe­run­gen, als um das Ver­hält­nis zwi­schen Lie­fe­run­gen und Prä­sen­z­ab­ga­ben gehen. Soll­te der Anteil der Lie­fe­run­gen gericht­lich als zu hoch ange­se­hen wer­den, kann zudem der Ver­dacht ent­ste­hen nicht den Vor­schrif­ten zur Vor­rats­hal­tung nach § 15 ApBe­trO nach­zu­kom­men (Wochen­be­darf).

Bera­tung

Die Apo­the­ke muss auch beim Boten­dienst die Bera­tung zu Arz­nei­mit­teln sicher­stel­len. Sofern die­se nicht bereits zuvor in der Apo­the­ke statt­ge­fun­den hat, sind die Pati­en­ten im unmit­tel­ba­ren Zusam­men­hang mit der Aus­lie­fe­rung durch phar­ma­zeu­ti­sches Per­so­nal zu bera­ten (vgl. “Apo­the­ken­per­so­nal”).

In der Pra­xis führt dies dazu, dass im Fal­le des Ein­sat­zes einer PTA auf­grund ihrer Arbeit unter Auf­sicht tech­nisch-orga­ni­sa­to­ri­sche Maß­nah­men ergrif­fen wer­den müs­sen, um der Auf­sichts­pflicht Rech­nung tra­gen zu kön­nen.

Ver­pa­ckung und Ver­sand

Die Apo­the­ke belie­fert den Pati­en­ten nicht über den Ver­sand (=Post­weg; exter­ner Logis­tik­dienst­leis­ter), son­dern per Bote. Dabei sind die Arz­nei­mit­tel für jeden Emp­fän­ger getrennt zu ver­pa­cken und jeweils mit des­sen Namen und Anschrift zu ver­se­hen. Eben­so gel­ten wesent­li­che Qua­li­täts­vor­schrif­ten wie im Ver­sand­han­del (vgl. § 17 Abs. 2 ApBe­trO).

Anmer­kung

Die Abgren­zung zwi­schen Ver­sand­han­del und (orga­ni­sier­tem) Boten­dienst fällt zuneh­mend schwer. IT-unter­stütz­te Platt­for­men brin­gen heu­te Ange­bot (Apo­the­ken) und Nach­fra­ge (Pati­en­ten) zusam­men und gene­rie­ren so eine (über)regionale Ver­triebs­struk­tur, bei der der Kun­de eine teil­neh­men­de Apo­the­ke sei­ner Wahl – ggf. somit sei­ne Stamm­apo­the­ke – mit der Belie­fe­rung beauf­tra­gen kann. Der Vor­teil gegen­über dem Ver­sand­han­del liegt ins­be­son­de­re in der schnel­le­ren Zustel­lungs­mög­lich­keit. Stell­ver­tre­ter sol­cher Platt­for­men sind bei­spiels­wei­se »Call my Apo«, »Cura­ca­do« oder der von Zur Rose (Mut­ter­kon­zern von DocMor­ris) betrie­be­ne spa­ni­sche Ver­tre­ter »Pro­mo­far­ma«.

Die deut­schen Phar­ma­zie­rä­te als beauf­tra­ge Sach­ver­stän­di­ge der für die Apo­the­ken zustän­di­gen Über­wa­chungs­be­hör­den for­dern eine schar­fe Abgren­zung von Boten­dienst und Ver­sand. Als Unter­schei­dungs­merk­mal wird die direk­te – z. B. tele­fo­ni­sche — Bestel­lung in der Apo­the­ke gegen­über der Bestel­lung über einen Web­shop ange­se­hen. Jeg­li­che Ver­wäs­se­rung sei zu unter­brin­gen. Die poli­ti­sche Idee hin­ge­gen ist eher eine Aus­wei­tung des Boten­diens­tes bei glei­chen Bedin­gun­gen im Ver­gleich zu den Ver­sand­han­dels­vor­schrif­ten, um für wett­be­werbs­recht­li­che Gleich­be­rech­ti­gung zu sor­gen.

Zur aktu­el­len gesund­heits­po­li­ti­schen Dis­kus­si­on sie­he:

Ver­sand­han­dels­ver­bot für Arz­nei­mit­tel



 

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