Beratungspflicht in der Apotheke

Bera­tungs­pflicht in der Apo­the­ke

Mai 22, 2019 Apothekenbetrieb Pharmazeutische Gesetzeskunde 1
Beratungspflicht in der Apotheke

Der Lern­text “Bera­tungs­pflicht in der Apo­the­ke — eine Ein­füh­rung” befasst sich mit den Grund­sät­zen der Bera­tung — unab­hän­gig von der jewei­li­gen Abga­be­si­tua­ti­on.


Radi­ka­le Reduk­ti­on der Kom­ple­xi­tät

  1. Rol­len­funk­ti­on

    Bera­tungs­pflich­ten in der Apo­the­ke hän­gen von der jewei­li­gen Abga­be­si­tua­ti­on bzw. Rol­len­funk­ti­on ab (Ver­schrei­bung, ja oder nein)

  2. QMS-Pflicht

    Die Bera­tung in der Apo­the­ke ist sys­te­ma­tisch im QMS zu pla­nen.

  3. Reden ist Gold

    Den schwei­gen­den Apo­the­ker kann es nicht geben. Jeden­falls muss die Bera­tung immer aktiv ange­bo­ten wer­den.

  4. Bera­tungs­qua­li­tät

    Eine ord­nungs­ge­mä­ße Bera­tung setzt ste­te Fort­bil­dung vor­aus.

Arz­nei­mit­tel­ab­ga­be in der Apo­the­ke

Die Abga­be­si­tua­tio­nen von Arz­nei­mit­teln in der Apo­the­ke las­sen sich in zwei Haupt­ka­te­go­ri­en ein­tei­len. Ent­we­der der Pati­ent legt eine (ärzt­li­che) Ver­ord­nung mit einem — zumeist ver­schrei­bungs­pflich­ti­gen — Arz­nei­mit­tel vor, oder der Pati­ent kommt mit einem Bera­tungs­ge­such bzw. einem kon­kre­ten Arz­nei­mit­tel­wunsch zu einem nicht ver­schrei­bungs­pflich­ti­gen Arz­nei­mit­tel im Rah­men der Selbst­me­di­ka­ti­on in die Offi­zin.

Die offen­kun­digs­ten Unter­schei­dungs­merk­ma­le bei­der Abga­be­si­tua­tio­nen sind die Ein­bin­dung des Arz­tes in die Arz­nei­mit­tel­ver­sor­gung sowie der Zulas­sungs­sta­tus i. S. d. Ver­schrei­bungs­pflicht nach § 48 Abs. 1 AMG der Arz­nei­mit­tel auf der einen Sei­te und die Gate­kee­per-Funk­ti­on des Apo­the­kers auf der ande­ren Sei­te.



Die Arz­nei­mit­tel­ab­ga­be ist gemäß § 1a ApBe­trO als phar­ma­zeu­ti­sche Tätig­keit nach § 3 Abs. 5 ApBe­trO dem phar­ma­zeu­ti­schen Per­so­nal vor­be­hal­ten. Das phar­ma­zeu­ti­sche Per­so­nal agiert somit als ver­län­ger­ter Arm des Apo­the­kers, so dass alle Rech­te und Pflich­ten durch PTA ein­zu­hal­ten sind.

Vgl. auch Lern­text “Apo­the­ken­per­so­nal” und aktu­el­les Urteil hier.


Unter­schied­li­che Rol­len­funk­ti­on des Apo­the­kers

Bei­de Abga­be­si­tua­tio­nen wir­ken sich unter­schied­lich auf die recht­lich-ver­trag­li­chen Ver­pflich­tun­gen des Apo­the­kers aus­wir­ken. Denn der Gesetz­ge­ber erlegt ihm fol­ge­rich­tig unter­schied­li­che Rech­te und Pflich­ten auf. In der Pra­xis soll­te daher zwi­schen den bei­den gän­gi­gen Funk­ti­ons­rol­len des Apo­the­kers unter­schie­den wer­den. Die fol­gen­den Grund­sät­ze gel­ten jedoch als “gemein­sa­mer Nen­ner” über­grei­fend.

Grund­sät­ze der Bera­tung

Gut geplant ist halb bera­ten

Auf­grund der Wich­tig­keit der Infor­ma­ti­ons­wei­ter­ga­be und Bera­tung zu Arz­nei­mit­teln in der Apo­the­ke hat der Gesetz­ge­ber eine gan­ze Rei­he von Bera­tungs­pflich­ten nor­miert. Hier­zu gehört bereits die sys­te­ma­ti­sche Pla­nung der Bera­tung durch den Apo­the­ken­in­ha­ber gemäß § 20 Abs. 1 ApBe­trO. Die Doku­men­ta­ti­on des “Bera­tungs­plans” im QMS soll die Ein­hal­tung der Pflich­ten unter­stüt­zen und die Bera­tungs­qua­li­ät gewähr­leis­ten.

Bera­tungs­pflicht — nichts tun ist auch kei­ne Lösung

Gemäß § 20 Abs. 2 ApBe­trO besteht eine expli­zi­te Bera­tungs­pflicht in der Apo­the­ke. Eine sol­che ist auf­grund des Selbst­be­stim­mungs­rechts des Pati­en­ten so zu ver­ste­hen, dass eine Bera­tung “mit Nach­druck” ange­bo­ten wer­den muss. Sofern Zwei­fel an der siche­ren Anwen­dung eines Arz­nei­mit­tels ohne eine Bera­tung bestehen — den­knot­wen­dig im OTC-Bereich — müss­te eine Abga­be ohne Bera­tung jedoch ver­wei­gert wer­den (vgl. auch Lern­text “Sorg­falts­maß­stab in der Apo­the­ke”).

Inhalt der Bera­tung

Der Gesetz­ge­ber wird in Bezug auf die Bera­tungs­in­hal­te unge­wohnt deut­lich. Er schreibt über § 20 Abs. 2 ApBe­trO ins­be­son­de­re “Aspek­te der Arz­nei­mit­tel­si­cher­heit” als Bera­tungs­in­halt vor. Wei­te­re Schwer­punk­te sind
die not­wen­di­gen Infor­ma­tio­nen über die sach­ge­rech­te Anwen­dung,
Lage­rung und Ent­sor­gung des Arz­nei­mit­tels, ggf. Infor­ma­tio­nen über Wech­sel­wir­kun­gen sowie die Abfra­ge wei­te­ren Infor­ma­ti­ons­be­darfs.

Dabei hat eine ord­nungs­ge­mä­ße Bera­tung (“Bera­tung lege artis”) grund­sätz­lich dem berufs­üb­li­chen Stan­dard zu ent­spre­chen (vgl. Lern­tex­te “Leit­li­ni­en” und “Fort­bil­dungs­pflicht in der Apo­the­ke”).

Ver­ständ­lich­keit der Bera­tung

Die Bera­tung muss für den Pati­en­ten ver­ständ­lich sein. Des­halb muss in der Pra­xis auf den Bil­dungs­grad, die geis­ti­ge Auf­nah­me­fä­hig­keit und die Spra­che Rück­sicht genom­men wer­den. Selbst bei deutsch­spra­chi­gen Pati­en­ten sind Fach­aus­drü­cke somit regel­mä­ßig fehl am Platz. Letzt­lich geht es dar­um »die Spra­che des Pati­en­ten« zu spre­chen, da eine the­ra­peu­ti­sche Ent­schei­dung nur so gemein­sam getrof­fen wer­den kann.

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Eine Antwort

  1. Heike sagt:

    Vie­len Dank für einen infor­ma­ti­ven Bei­trag zur Bera­tungs­pflicht in der Apo­the­ke. Das fin­de ich rich­tig, dass alle Pati­en­ten, beson­ders die älte­ren Leu­te, zu Arz­nei­mit­teln bera­tet wer­den. Eini­ge Medi­ka­men­te muss man im Kühl­schrank auf­be­wah­ren und wenn man mich dar­auf nicht auf­merk­sam macht, ver­ges­se ich völ­lig dar­über.

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