Abgabe verschreibungspflichtiger Arzneimittel

Abga­be ver­schrei­bungs­pflich­ti­ger Arz­nei­mit­tel

Mai 23, 2019 Apothekenbetrieb Pharmazeutische Gesetzeskunde 0
Abgabe verschreibungspflichtiger Arzneimittel

Die Abga­be ver­schrei­bungs­pflich­ti­ger Arz­nei­mit­tel in der Apo­the­ke ist an eine gan­ze Rei­he von Vor­schrif­ten geknüpft. Die­ser Lern­text erklärt wor­auf zu ach­ten ist.


Radi­ka­le Reduk­ti­on der Kom­ple­xi­tät

  1. Kein Rezept — kein Arz­nei­mit­tel

    Kei­ne Abga­be von ver­schrei­bungs­pflich­ti­gen Arz­nei­mit­teln ohne ärzt­li­che Ver­ord­nung!

  2. The­ra­pie­ho­heit des Arz­tes

    Ärzt­li­che Ver­ord­nun­gen sind zeit­nah zu belie­fern (Kon­tra­hie­rungs­zwang). Dabei muss die Abga­be grund­sätz­lich der Ver­ord­nung ent­spre­chen und Beratung/Information der Apo­the­ke darf die The­ra­pie nicht gefähr­den.

  3. Rück­sprache­pflich­ten

    Bei Vor­lie­gen ent­spre­chen­der Ver­dachts­mo­men­te muss mit dem Arzt Rück­spra­che gehal­ten wer­den. Vor­her ist eine Abga­be nicht zuläs­sig.

Rah­men­be­din­gun­gen

Im Bereich der Abga­be ver­schrei­bungs­pflich­ti­ger Arz­nei­mit­tel muss dem Apo­the­ker gemäß § 48 AMG i. V. m. § 1 Arz­nei­mit­tel­ver­schrei­bungs­ver­ord­nung (AMVV) grund­sätz­lich eine ord­nungs­ge­mä­ße ärzt­li­che Ver­schrei­bung vor der Abga­be vor­lie­gen.

Eine Aus­nah­me von die­sem Grund­satz nor­miert § 4 der AMVV wonach in drin­gen­den Fäl­len der Ver­ord­ner den Apo­the­ker über die Ver­ord­nung und ihren Inhalt ins­be­son­de­re fern­münd­lich unter­rich­ten kann. Die Ver­ord­nung muss in die­sem Son­der­fall unver­züg­lich nach der Abga­be nach­ge­reicht wer­den.

Ein Ver­stoß gegen die­se Abga­be­be­stim­mun­gen ist eine Straf­tat nach § 96 Nr. 13 AMG.

Der Gesetz­ge­ber hat damit den Arzt zum Dreh- und Angel­punkt der Ver­sor­gung von Pati­en­ten mit ver­schrei­bungs­pflich­ti­gen Arz­nei­mit­teln gemacht, wel­cher vom Pati­en­ten und Apo­the­ker nicht umgan­gen wer­den kann.

Aus­füh­rung der Ver­schrei­bung durch die Apo­the­ke

Das Gewicht der ärzt­li­chen Ver­ord­nung als Zugangs­be­schrän­kung zu ver­schrei­bungs­pflich­ti­gen Arz­nei­mit­teln wird ins­be­son­de­re über § 17 Abs. 5 ApBe­trO deut­lich. Dem­nach müs­sen Arz­nei­mit­tel­ab­ga­ben grund­sätz­lich den ärzt­li­chen Ver­schrei­bun­gen ent­spre­chen — ggf. unter Berück­sich­ti­gung der sozi­al­recht­li­chen Aus­tausch­pflich­ten.

Auch hat der Gesetz­ge­ber die Abga­be ver­schrei­bungs­pflich­ti­ger Arz­nei­mit­tel einem sog. Kon­tra­hie­rungs­zwang unter­stellt (vgl. Lern­text “Kon­tra­hie­rungs­zwang in der Apo­the­ke”). Für eine schlich­te Unter­las­sung der Arz­nei­mit­tel­ab­ga­be bei Vor­lie­gen einer ärzt­li­chen Ver­ord­nung bleibt somit kein Raum.

Bera­tung und Infor­ma­ti­on

Wenn­gleich auch für die Abga­be ver­schrei­bungs­pflich­ti­ger Arz­nei­mit­tel umfas­sen­de Bera­tungs­pflich­ten nach § 20 ApBe­trO bestehen (vgl. Lern­text “Bera­tungs­pflicht in der Apo­the­ke” ), wird die apo­the­ker­li­che Ein­fluss­na­me auf den Ver­schrei­bungs­in­halt und die ärzt­li­che The­ra­pie mit­hin durch § 20 Abs. 1a ApBe­trO beschränkt:

Die Bera­tung und Infor­ma­ti­on des Pati­en­ten darf die The­ra­pie des Arz­tes nicht beein­träch­ti­gen.

Die Apo­the­ke als Sicher­heits­netz

Die The­ra­pie­ho­heit des Arz­tes ist ein hohes Gut. Aller­dings kennt auch die­ses regel­mä­ßig dort Gren­zen, wo eine The­ra­pie den Pati­en­ten mehr schä­digt als nutzt. Der Gesetz­ge­ber hat u. a. des­we­gen Rück­sprache­pflich­ten und Abga­be­ver­bo­te für den Apo­the­ker bei Unklar­hei­ten ein­ge­führt. Dabei ist der Apo­the­ker aller­dings kein Ober­auf­se­her des Arz­tes. Viel­mehr sind die Rege­lun­gen so zu ver­ste­hen, dass der Apo­the­ker die Ver­wirk­li­chung eines Scha­dens in Fol­ge eines ärzt­li­chen Feh­lers ver­mei­den soll. In die zuläs­si­ge The­ra­pie­ho­heit des Arz­tes darf der Apo­the­ker somit nicht ein­grei­fen.

Das Vor­han­den­sein einer Vor­aus­set­zung nach § 17 Abs. 5 ApBe­trO ver­mag die Abga­be vor einer Abklä­rung zu ver­bie­ten, was die Kom­bi­na­ti­on von (tem­po­rä­rer) Unter­las­sung der Abga­be in Ver­bin­dung mit wei­te­rer Abklä­rung erfor­der­lich machen wür­de. Zu die­sen Bedin­gun­gen gehö­ren ein erkenn­ba­rer Irr­tum, Nicht­les­bar­keit oder sons­ti­gen Beden­ken.

Die For­de­rung der Gesetz­ge­bung und Rechts­spre­chung ist somit “begrün­de­te Fäl­le” durch die berufs­ty­pi­sche Wach­sam­keit i. V. m. dem not­wen­di­gen Fach­wis­sen zu iden­ti­fi­zie­ren und die­se Fäl­le vor der Abga­be mit dem Ver­ord­ner zum Schut­ze des Pati­en­ten zu klä­ren. Mit zuneh­men­der Gefahr, die von einem Arz­nei­mit­tel aus­geht (Toxi­zi­tät, Miss­brauchs­po­ten­zi­al, etc) oder in der Abga­be­si­tua­ti­on begrün­det liegt (z. B. Abga­be an oder für Kin­der), sind höhe­re Anfor­de­run­gen an den Sorg­falts­maß­stab zu stel­len.


Wie immer ist die For­de­rung sehr abs­trakt. Dies betrifft auch den berufs­ty­pi­schen Sorg­falts­maß­stab. Die BAK-Leit­li­nie kon­kre­ti­siert mög­li­che Ver­dachts­mo­men­te, wel­che eine ärzt­li­che Rück­spra­che erfor­der­lich machen kön­nen; z. B. Inter­ak­tio­nen. Du fin­dest Sie hier.


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